Ein Wohnmobil steht auf der Straße, davor stehen Koffer.

Wohnmobil überladen: Welche Toleranzen und Strafen gelten in Deutschland und Europa?

Das Wohnmobil ist gepackt, die Route geplant – aber bist Du auch gewichtsseitig auf der sicheren Seite? Hier liest Du, was passiert, wenn Dein Wohnmobil überladen ist – in Deutschland und im Rest Europas. Wie viel Toleranz ist erlaubt? Was kostet Dich die Überladung? Musst Du im Ernstfall umpacken oder sogar stehen bleiben? Und was sagt eigentlich die Versicherung, wenn es kracht? Bonus: Eine Übersicht zu 20 beliebten Reiseländern mit Regeln, Toleranzen und Strafen.

Was ist Überladung?

Ganz einfach gesagt: Dein Wohnmobil ist überladen, wenn das tatsächliche Gesamtgewicht – also das Gewicht von Fahrzeug, Insassen, Gepäck, Wasser, Gas und allem anderen – die im Fahrzeugschein eingetragene zulässige Gesamtmasse (zGG) überschreitet. Dieses zGG ist die gesetzlich festgelegte Obergrenze, die nicht überschritten werden darf. Auch wenn es „nur ein paar Kilo“ sind, kann das rechtliche und technische Folgen haben: Von Bußgeldern bis hin zu einem erhöhten Unfallrisiko.

Tipp: In einem extra Ratgeber haben wir unter anderem zusammengestellt, wie Du die Zuladung beim Wohnmobil berechnest.

Wohnmobil-Überladung in Deutschland: Mehr Toleranz als im Rest Europas

In Deutschland wird vergleichsweise locker mit kleineren Überschreitungen beim zulässigen Gesamtgewicht umgegangen – zumindest auf dem Papier. Bis zu 5 % gelten als tolerierbar. Doch Vorsicht: Das letzte Wort hat immer die Polizei, und die entscheidet situationsabhängig.

Hier eine Übersicht über die einzelnen Maßnahmen, gestaffelt nach Höhe der Überladung:

Bis 5 % Überladung: In der Regel keine Strafe

5 bis 10 % Überladung: bis zu 30 Euro plus Verwarnung

10 bis 20 % Überladung: 95 Euro, 1 Punkt in Flensburg und evtl. wird Umladen angeordnet

Ab 25 % Überladung: 140 Euro und 1 Punkt in Flensburg, Weiterfahrt erst nach Umladen

Über 30 % Überladung: 235 Euro und 1 Punkt in Flensburg plus Umladepflicht

Klingt relativ harmlos? Nicht ganz. Denn wenn Dein Wohnmobil auffällig wirkt – etwa, weil es in der Kurve schwankt oder die Achsen tief hängen – wird schnell genauer hingeschaut. Und dann kann auch eine Wohnmobil-Überladung unter 5 % Konsequenzen haben.

Vergleich: In welchen Ländern Überladung richtig teuer wird

Was in Deutschland noch durchgeht, führt im Ausland oft direkt zum Bußgeld – oder zur Standpflicht.

Hier findest Du die Übersicht mit Toleranz, Strafe und Besonderheiten für 20 Länder*:

Eine Tabelle vergleicht die Überladungsregeln in Europa

Unser Tipp: Plane Dein Fahrzeuggewicht so, als würdest Du durch die Schweiz fahren – dann bist Du (fast) überall auf der sicheren Seite.

Wohnmobil überladen: Was bedeutet das für die Versicherung?

Ein unterschätzter Punkt: Auch Deine Versicherung interessiert sich für das Gewicht Deines Fahrzeugs. Gerade bei Kaskoschäden kann ein überladenes Wohnmobil zum Problem werden.

Haftpflicht: Leistet im Regelfall auch bei Überladung, es sei denn, Dir wird grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen

Vollkasko & Teilkasko: Vorsicht! Viele Versicherungen schließen Schäden aus, wenn das Fahrzeug nicht verkehrssicher war – und das ist bei Überladung der Fall

Ernst wird’s auch dann, wenn beispielsweise durch das Übergewicht ein Reifen platzt oder das Fahrverhalten instabil wird und dadurch ein Unfall passiert. Dann kann Deine Versicherung Leistungen verweigern oder kürzen. Mach also regelmäßig den Gewichts-Check und dokumentiere das Gewicht per Foto oder Wiegeschein. Und achte am besten schon vor dem Kauf oder Umbau auf eine realistische Zuladung für Deine Bedürfnisse.

Wohnmobil auflasten: Wann lohnt sich das?

Wenn Du dauerhaft Probleme mit der Zuladung hast oder regelmäßig nahe an der Grenze unterwegs bist, kann es sich lohnen, Dein Wohnmobil aufzulasten. Dabei wird das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs durch technische Umrüstungen und eine Abnahme erhöht, zum Beispiel von 3,5 Tonnen auf 3,85 oder sogar 4,25 Tonnen.

Vorteile der Auflastung:

· Mehr Zuladung und damit entspannteres Packen

· Keine ständige Sorge um Bußgelder

· Sicherheit durch technisch angepasste Achsen, Reifen und Fahrwerk

Aber Achtung:

· Aufgelastete Fahrzeuge gelten meist nicht mehr als PKW, das kann Einfluss auf Maut, Versicherung und Führerschein haben

· Nicht jedes Wohnmobil ist technisch auflastbar. Hier ist eine Fachberatung beim Hersteller oder Spezialbetrieb sinnvoll

Wenn Du Dein Wohnmobil auflasten lässt, solltest Du die neue Eintragung im Fahrzeugschein immer mitführen. Und am besten auch eine Kopie der technischen Änderung.

Wohnmobil überladen bei Kontrolle: Ist die Weiterfahrt gefährdet?

Ganz klar: Wohnmobil überladen = Risiko auf Weiterfahrverbot. In den meisten Ländern entscheiden die Kontrolleure direkt vor Ort, ob Du das zulässige Gesamtgewicht im strafbaren Rahmen überschritten hast und wie es dann weitergeht.

Das passiert häufig:

· Frischwasser muss abgelassen werden

· Gepäck (z. B. Bierkisten oder E-Bikes) muss ausgeladen werden

· Ein Teil der Ausrüstung muss in ein zweites Fahrzeug umgeladen werden

In besonders strengen Ländern wie der Schweiz, Italien oder Ungarn kann es sogar zur Verplombung des Fahrzeugs kommen oder zu der Verpflichtung, eine technische Nachprüfung zu absolvieren. Lass es also besser nicht darauf ankommen und checke vor der Abfahrt das Gewicht Deines Wohnmobils.

Mit gutem Gefühl reisen statt Schwitzen beim Wiegen

Nach diesem Ratgeber sollte klar sein: Beim Thema Wohnmobil-Überladung ist die Toleranz innerhalb Europas sehr verschieden. Das zulässige Gewicht sollte deshalb fester Teil Deiner Reiseplanung sein. Wer einmal sauber rechnet und bewusst packt, hat langfristig weniger Stress – und kann entspannter Reisen. Und darum geht es doch schließlich, oder?