Maria Dhonau ist die Grande Dame der deutschen Caravaning-Branche: Ihren ersten Wohnwagen, einen Mostard, verkaufte sie 1961 als 23-jährige Jungunternehmerin. Am Caravan Salon – heute in Düsseldorf, anfangs in Essen – nimmt sie seit 1962 als Verkaufsberaterin teil. Heute, mit 85, ist sie noch immer im Verkauf des familiengeführten Unternehmens Hymer-Zentrum B1 in Mülheim an der Ruhr aktiv.
Interview mit Maria Dhonau
Maria, die Saison geht allmählich zu Ende. Wird es für Händler ein erfolgreiches Jahr?
Ja, es wird ein erfolgreiches Jahr für den Handel. Nach wie vor gehen die Verkäufe nach oben. Wichtig ist, dass wieder etwas Normalität in die Branche kommt, da die Lieferengpässe langsam verschwinden.
Wie sieht es mit den Gebrauchten aus, kommen jetzt die Spontankäufe der Corona-Jahre zurück?
Während der Pandemie haben die Kunden gekauft, aber nicht verkauft, sodass der Markt für Neu- und Gebrauchtmobile leer war. Das lag auch an den Lieferengpässen durch die Pandemie. Jetzt kommen wieder ein paar Gebrauchte auf den Markt. Nur die Annahme, dass viele Käufer, die während Corona gekauft haben, nach einer Zeit wieder aussteigen, tritt nicht ein. Die absolute Freiheit des Caravaning gibt so schnell keiner wieder auf.
Spürt Ihr im Handel die Preiserhöhungen der letzten Jahre?
Ja, natürlich sind die Preise für Neufahrzeuge enorm gestiegen. Das liegt zum größten Teil an den enorm gestiegenen Preisen der Zulieferer. Im Moment tritt wieder eine Stabilisierung ein: Die Preise ziehen nicht mehr so an, aber niedriger werden sie nicht.
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Was ist die häufigste Frage, die Camping-Anfänger stellen, wenn sie zu Euch kommen?
Sehr oft kommt der Wunsch nach Einzelbetten und einer Garage für die E-Bikes. Und das Wohnmobil sollte klein sein. Ich frage meistens sofort, ob der Interessent ganz neu einsteigt oder ob er schon Erfahrung hat. Meine Empfehlung ist dann, dass der Einsteiger möglichst mit einem gebrauchten Mobil beginnen sollte, denn da kann er am besten testen, ob es die richtige Größe und Raumaufteilung für ihn hat. Und er hat die Möglichkeit, nach einem Jahr mit geringem Verlust oder sogar ganz ohne Einbußen um- oder auszusteigen.Es steigen übrigens nur wenige aus. Doch bei einem Mietwagen fehlt dieses Besitzgefühl, im eigenen neuen Zuhause unterwegs zu sein. Und das Einräumen und Ausräumen nervt mindestens den Partner, der vielleicht ohnehin nicht unbedingt einsteigen wollte.
Und der größte Fehler, den ein Einsteiger machen kann?
Entweder zu klein oder zu groß zu kaufen. Wir müssen immer daran denken, dass wir in Europa leben. Wir haben viele enge Straßen und Kurven – zumindest dort, wo die Sehenswürdigkeiten sind, die wir suchen.
Was ist der Vorteil beim Kauf auf einer großen Messe? Und gibt es auch Nachteile?
Beim Kauf auf einer Messe ist natürlich das Angebot sehr reichhaltig und die Möglichkeit des Besichtigens und Vergleichens überwältigend. Der Nachteil ist, dass man zum Schluss selbst nicht mehr weiß, was man will. Sehr oft fehlen Verkäufer, die selbst Reisemobilisten sind. Auf Messen wird häufig mit Aushilfsverkäufern gearbeitet. Da ist ein Verkauf wichtig, sonst verdient er nichts. Ich würde für Informationsmessen plädieren: Der Interessent hinterlässt seine Adresse und diese wird an den Handelsbetrieb weitergegeben, der in seiner Nähe ist. Wir haben in den Mobilen und auch in den Caravans heute viel mehr Elektronik und anfällige Einbauten als früher. Die Technik braucht immer mal Service. Wo ich kaufe, bin ich König. Woanders bin ich womöglich ein Fremder, dem der eigene Kunde vorgezogen wird.
Woran erkenne ich die Qualität eines Händlers?
Der Kunde kann seine Freude, aber auch seinen Unmut leicht im Internet öffentlich machen. Ansonsten gilt noch immer: Ein Handelsbetrieb, der schon lange besteht, muss gut gearbeitet haben. Sonst wäre er nicht mehr da.
Gibt es Kaufinteressenten, die auf keinen Fall campen sollten?
Nein, die gibt es eigentlich nicht. Es gibt nur unterschiedliche Camper. Wer drei Wochen auf einem Campingplatz stehen möchte, sollte sich für einen Wohnwagen entscheiden, denn dann hat er seinen Pkw für Rundreisen. Wer gerne mobil reisen möchte, ist prädestiniert für ein Reisemobil – heute hier und morgen dort. Wintercamping erfordert eine gute Isolation, und natürlich kann ein Wohnmobil für 40.000 Euro nicht so gut isoliert sein wie eines für 100.000 Euro und mehr. Es hilft einfach, seine eigenen Bedürfnisse zu kennen.
Was muss die Caravaning-Branche als Nächstes erfinden?
Es gibt schon fast alles. In allen Größen, für jede Nutzung und jeden Geschmack.
Und was bitte nicht?
Bitte nicht mehr teurer werden. Sondern lieber mal auf absoluten Luxus verzichten und das Campen wieder zum Campen machen.
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