Zehn Fragen an ... Jasper Ehmcke

Jasper Ehmcke (22) gehört zu den Gründern des Düsseldorfer Startups Revotion: Mit einer modularen Steuerung, die alle Funktionen der Bordtechnik vernetzt, macht er Wohnmobile zu fahrenden Smart Homes.

Jasper, ist Revotion das Ende von 507H und anderen kryptischen Fehlercodes, die Campern unterwegs begegnen?

Absolut! Fehlercodes sind damals nur aus einer Not entstanden: Es gab noch keine richtigen Displays und man konnte keinen Klartext darstellen. Es war also nie für die tägliche Benutzung am Kunden gedacht. Diese Zeiten sind nun aber längst vorbei und mittlerweile trägt jeder hochauflösende Displays in der Hosentasche. Wir fokussieren uns stets auf eine intuitive Benutzung und stellen daher Fehlercodes in Klartext und mit Handlungsempfehlung per Link dar. Für uns ist das ein absolutes Muss.

Wie reagiert die Caravaning-Branche auf die Idee der intuitiv bedienbaren Bordtechnik?

Nach unseren bisherigen Erfahrungen ist jedem in der Branche bewusst, dass das Thema aktuell und wichtig ist. Es weiß auch jeder, dass eigentlich alle längst technisch hinterherhinken. Allerdings hat sich noch niemand ganzheitlich herangetraut. Aktuellere Steuerungssysteme sind entweder immer nur auf einzelne Funktionen begrenzt oder limitieren sich durch Exklusivität zu Fahrzeug- oder Zubehörmarken. Wir sind ein neuer, unparteiischer Marktteilnehmer, der eine Plattform geschaffen hat, auf die Zubehörmarken sowie Fahrzeughersteller aufbauen können. Diese Offenheit wird sowohl von Unternehmen als auch Endkunden erkannt und sehr geschätzt.

Mit Ahorn Camp hat der erste Reisemobil-Hersteller das Revotion-System zum offiziellen Extra gemacht. Mit Erfolg?

Mit Ahorn haben wir unser erstes Serienprojekt vorgestellt und es kam sehr gut an. Wir freuen uns sehr, dass Revotion als sinnvolle Veredelung des gesamten Fahrzeugs wahrgenommen wird und neben Wechselrichter- und Solar-Upgrades auch die Steuerung an Bedeutung gewinnt.

Wer als kompletter Laie an Elektronik und Vernetzung im Auto denkt, den fallen viele Steuergeräte und CAN-Busse ein, die irgendwann womöglich nicht mehr kommunizieren. Wie ist das beim Revotion-System?

Wir haben schon früh auf Funktechnologie gesetzt und haben diese in unserem System perfektioniert. Bei klassischen Bus-Systemen gibt es durch zahlreiche Steckverbindungen und mögliche Kabelbrüche in der Tat einige potenzielle Fehlerquellen, die es bei Funk-Verbindungen nicht gibt. Ebenso sorgen wir einerseits durch die Herstellung bei uns in Deutschland und auch die Over-the-Air- Updatefähigkeit für maximale Langlebigkeit der Produkte. Wir können diese dadurch sehr lange auch für zukünftige Module kompatibel halten. 

Was kann Revotion heute schon – und was soll es zukünftig können?

Die Vision hinter Revotion ist die herstellerübergreifende Vernetzung aller technischen Geräte an Bord, damit der Urlaub noch komfortabler und sicherer wird. Auf dem Weg dahin haben wir bereits die Tankfüllstände superpräzise, die Schalter sicherer und digital gemacht, Lichter dimmbar, das Thema Energie an Bord übersichtlich und Strom sichtbar gemacht. Auf der CMT im Januar 2024 stellen wir unsere Integration bisheriger Heizungen und Klimaanlagen vor, sodass auch diese in unserer intuitiven Benutzeroberfläche bedient werden können. Durch unsere Module haben wir ein System geschaffen, auf dem wir in den kommenden Jahren softwareseitig aufbauen können. In regelmäßigen Abständen bringen wir für die bestehenden Systeme da draußen neue Features, wie z. B. Automationen, Fernzugriff, Auto-Nivellierung und vieles mehr.

Kann ich die Revotion-Steuerung in mein gebrauchtes Reisemobil nachrüsten lassen?

Nachrüstungen sind bei uns leicht möglich, sowohl in Eigenregie als auch bei einem unserer Händler. Es müssen nämlich keine Kabel neu verlegt werden, sondern die Nodes (Module) schalten sich zwischen die bisherigen Kabel und verbinden sich drahtlos. Dass jedes Fahrzeug unterschiedlich ist und andere Geräte verbaut hat, spielt dabei keine große Rolle. Man kann immer höchst individuell entscheiden, welche Funktionen durch welche Nodes hinzugefügt werden sollen und dies dann schrittweise erweitern.

Was kostet das?

Der Preis hängt davon ab, wie viele Module man verbaut. Ein Starter-Set beginnt bei 999 Euro, der Preis erhöht sich dann mit jedem weiteren Node um 149 Euro. Für ein sinnvolles, durchschnittliches System kann man also zwischen 1500 und 2000 Euro rechnen.

Gibt es bald weitere Hersteller, die Revotion anbieten, oder setzen die großen Marken eher auf eigene Lösungen?

Es wird auf jeden Fall im Laufe des Jahres 2024 das ein oder andere größere Projekt vorgestellt werden. Wir haben in den Gesprächen mit den großen Marken erlebt, dass jede ihre starken Kernkompetenzen hat. So haben wir uns auf die Vernetzung, Steuerung und App fokussiert und die Fahrzeughersteller auf Entwicklung, Design und Produktion von schönen Reisemobilen. Wir als neuer, innovativer Marktteilnehmer bleiben unparteiisch und sind an keine Marke exklusiv gebunden.

Was muss die Caravaning-Branche als nächstes erfinden?

Autonomes Fahren! Wie cool wäre es bitte, wenn der Urlaub schon bei Abfahrt beginnen würde und man sich selbst während der Fahrt schon entspannt einen Kaffee machen oder ein Buch lesen könnte? Dann wäre auch die Größe oder das Gewicht nicht so kritisch, da man ja selber nicht fahren müsste. Davon sind wir aber noch ein paar Jahre entfernt, wir müssen erstmal die zurückgebliebenen Jahrzehnte aufholen. Aber wer weiß, vielleicht bringen wir dafür ja irgendwann noch eine Node Autonomous raus!

Und was bitte nicht?

Bitte nicht noch mehr proprietäre Einzelprotokolle und -Apps für einzelne Funktionen, davon gibt es schon viel zu viele! Die Technik darf nicht noch komplizierter werden und der Blick muss mehr in die ganzheitliche Betrachtung des Fahrzeugs gehen.