Albert Kirzinger ist Chefdesigner von Volkswagen Nutzfahrzeuge – und damit auch aller Campingfahrzeuge, die von VW kommen. Mit dem VW T7 California Concept lieferte er zum Caravan Salon in Düsseldorf die neue Interpretation der Campingbus-Legende.
Herr Kirzinger, der neue California hat jetzt zwei Schiebetüren, eine von außen zugängliche Küchenzeile und hintere Einzelsitze statt der Schlafbank. Eine Revolution! Wie viele Diskussionen gab es darüber im Vorfeld?
Die Diskussionen über diese neuen Features waren so zahlreich, dass sie einen eigenen Fortsetzungsoman füllen könnten! Wir sind heute Marktführer und wer will schon ins Risiko gehen. Das neue Konzept bietet jedoch so viele Vorteile im täglichen Gebrauch als auch auf Reisen, dass wir letztlich mehr als sicher sind, damit wieder den Benchmark markieren zu können.
Was am Ende zählt, ist eine schlüssige Story. In diesem Fall ist es „die „Dreiraumwohnung": Der neue California ist ein Fahrzeug bestehend aus einem separierbaren Schlafzimmer, einem Wohnzimmer und einer Sommerküche, die von drinnen und draußen funktioniert. Entscheidend ist aber auch, dass wir für den Alltag einen hundertprozentigen Multivan erreicht haben, der sogar trotz Küche bis zu sechs Personen auf flexiblen Einzelsitzen komfortabel zum Reisen verführen kann.
Der neue California hat keinen klassischen Kleiderschrank mit Stange mehr. Ein verzichtbares Relikt von früher?
Wir haben sie tatsächlich bewusst entfernt, um noch mehr nutzbaren Stauraum im Fahrzeug zu schaffen. Wir verstehen jedoch, dass einige vielleicht die nostalgische Eleganz einer Kleiderstange vermissen könnten. Aber keine Sorge, wir haben an smarte Alternativen gedacht, um Ihre Kleidung sicher und knitterfrei zu transportieren.
Offiziell ist der T7 California noch eine Studie. Aber eine, die sehr seriennah wirkt. Kommt er wirklich so?
Wenn das Fahrzeug beim Publikum das auslöst, was ich in den Augen der ersten Betrachter ablesen kann, dann sieht das sehr vielversprechend aus. Das Konzept meinen wir spielerisch leicht absolut ernst.
Sie campen selbst?
Ja, ich bin selbst begeisterter Camper. Im vergangenen Sommer habe ich unsere Abenteuer während einer Reise durch Frankreich regelmäßig bei Linkedin geteilt. Dort finden Sie zahlreiche Eindrücke von unserem Trip sowie Einblicke, wie ich den aktuellen Multivan persönlich umgebaut und gemeinsam mit meiner sechsköpfigen Familie ausgiebig getestet habe. Dabei freue ich mich immer, die unglaubliche Vielfalt der Bullis und die Kreativität der Menschen zu sehen, die ihn mit Leben füllen. Nach all den Jahren ist sogar ein wenig Stolz dabei, dass wir ihnen sozusagen den Raum dafür zur Verfügung stellen. Das macht auch unsere Mitarbeiter, die Bulli-Bauer, stolz.
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Gibt es ein typisches California-Merkmal, das sich unter keinen Umständen verändern darf?
Beim California dreht sich alles um das gemeinsame Leben im und um das Fahrzeug herum. Neben dem komfortablen Schlafen ist das Kochen ein wesentliches Merkmal. Im neuen California haben wir es auf ein neues Level gehoben: Mit der geöffneten Schiebetür auf der Fahrerseite wird die Sommerküche zur zentralen Anlaufstelle. An warmen Tagen bietet es sich an, draußen zu kochen. Der Innentisch wird im Handumdrehen zum Außentisch und bildet mit den optimierten Campingstühlen eine gemütliche Sitzgruppe unter der Markise. Praktisches Detail: Durch die Schiebetür ist der Kühlschrank jetzt auch von außen gut zugänglich. An kalten Tagen wiederum bildet den Mittelpunkt des Geschehens die Vierer-Sitzgruppe im Inneren des Fahrzeugs. Egal was Sie mit ihm vorhaben: Jedes Detail ist wohldurchdacht, dabei integriert und meist mehrfach in unterschiedlichsten Situationen flexibel nutzbar.
Aber um konkreter auf Ihre Frage zu antworten:
Der California steht für ein Lebensgefühl und er beweist in allen Generationen immer wieder aufs Neue, dass man mit ihm unvergessliche Erlebnisse und damit Erinnerungen schaffen kann. Das ist es, was den Cali zur Ikone macht.
Und ein Detail, das Sie am liebsten ganz neu denken würden?
Seit zwei bis drei Jahren ist für viele Jobs das Thema Homeoffice gar nicht mehr wegzudenken. Viele Menschen, die ihre Arbeit hauptsächlich am Computer erledigen können, haben jetzt die fantastische Gelegenheit, von den schönsten Plätzen dieser Erde zu arbeiten – sei es am See, am Meer oder aus den Bergen. Deshalb lautet nun die neue Zauberformel „Workation", eine Mischung aus Work und Vacation, die die Lebens- und Arbeitsqualität nachhaltig auf ein neues Level hebt. So könnten Themen wie die Integration eines ergonomischen Arbeitsplatzes mit einer möglichst autarken Stromversorgung auf jeden Fall mit einbezogen werden.
Mit welchem Ihrer Entwürfe verreisen Sie lieber: California oder Grand California?
Am liebsten verreise ich immer mit dem aktuellsten Fahrzeug. Als Designer fühlen wir uns fast immer in der Zukunft zu Hause. Ein aktuelles Modell ausgiebig testen zu dürfen gibt guten Aufschluss darüber, welche Neuerungen in der Praxis gut funktionieren. Gleichzeitig habe ich dadurch auch die Möglichkeit, Potentiale oder komplett neue Ideen für zukünftige Entwicklungen zu denken. Mein Traumfahrzeug ist jedoch unbedingt der neue California.
Freistehen oder Campingplatz?
Beides. Es gibt viele Plätze, da wäre es eine echte Sünde, dort nicht die absolute Freiheit autark zu genießen. Und dann drängen mich meine vier Töchter doch wieder, einen Stellplatz mit komfortabler Dusche anzusteuern. Das verstehe ich dann auch.
Was muss die Caravaning-Branche als nächstes erfinden?
Mein Traum wäre eine neuartige Camping-Infrastruktur, die die Vorteile einer perfekten Energie- und Wasserversorgung auf dem Campingplatz mit den individuellen Freiheiten des Wildcampens verbindet. Quasi fest installierte Versorgungssäulen an den schönsten Plätzen unseres Planeten, die zum Campen einladen.
Und was bitte nicht?
Vorschriften und Regularien: Mit denen reist es sich schlecht.
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