Die Neuheiten von der CMT Stuttgart

Eigentlich beginnt das neue Modelljahr für die Reisemobil- und Wohnwagen-Hersteller schon im Frühherbst. Eigentlich… Denn ohne Neuheiten wagt sich die Branche im Januar nicht auf die CMT, dafür kommen einfach zu viele Besucher nach Stuttgart. Über 70.000 waren es schon am ersten Messe-Wochenende.

Ein Rekordjahr wird 2024 für die Caravaning-Branche vermutlich nicht. Ein Boomjahr aber wird es trotz der gut gefüllten Händlerhöfe und gestiegenen Preise werden, das zeigte sich an den ersten Messetagen in Stuttgart: Noch immer strömen nicht nur Camper auf die CMT, sondern viele, die es erst noch werden wollen. Die Branche begrüßt sie mit Preisnachlässen, attraktiven Ausstattungspaketen und teilweise auch subventionierten Finanzierungen. Die Bestandsfahrzeuge müssen raus, das hat nicht nur mit den Kreditlinien der Händler zu tun, sondern auch mit den bevorstehenden Modellwechseln: Der neue Fiat Ducato ist schon angekündigt, mit ihm erscheinen die überarbeiteten Konzernkollegen von Citroën, Peugeot, Opel und neuerdings Toyota. Renault erneuert 2024 den neuen Master. Und auf der VW-Website lässt sich schon der neue Transporter konfigurieren, auch wenn ihn die Fotos noch als „seriennahe Studie“ zeigen. 

Die Branche bleibt in kreativer Bewegung, das beweisen auch die neuen Modelle auf der CMT. Noch immer geht es den Herstellern darum, keine Nische ungefüllt zu lassen: Das beginnt beim kurzen Kastenwagen und endet erst beim allradgetriebenen Fernreise-Mobil, dessen Preis mit allen Extras an der 200.000-Euro-Marke kratzt. Die beiden kommen übrigens vom selben Hersteller, auch wenn sie unterschiedliche Namen tragen. Aber der Reihe nach.

Eura Xtura: ein feiner Typ fürs Grobe

Der neue Xtura ist das Topmodell von Eura: Deren Profila-Modelle sind in der komfortablen Mittelklasse ein Begriff, doch jetzt dringt der Hersteller in ein neues Marktsegment vor und baut ein Fernreise-Domizil auf Mercedes-Sprinter-Basis. Das lässt sich zwar nicht mit den Geröllheimern vergleichen, die spezialisierte Manufakturen nach individuellen Kundenwünschen bauen, kostet mit einem Basispreis von 144.900 Euro aber deutlich weniger. Dass es der Xtura abseits des Asphalts ernst meint, zeigt er unter anderem mit seiner Höherlegung, 40 Zentimetern Bodenfreiheit, Geländereifen und abgeschrägter Heckwand. Überm Fahrerhaus trägt er eine LED-Lichtgalerie, die das nächtliche Outback mit bis zu 21.000 Lumen ausleuchtet. Die geklebte Sandwich-Struktur des Aufbaus soll extremen Verwindungen standhalten, zudem ist der Xtura laut Eura bis zu 35 Grad winterfest. Und auch bei der Autarkie soll er mit den großen Kalibern mithalten: Zwei 330-Ah-Lithium-Akkus, zwei 120-Watt-Solarmodule sowie optionale Solarplatten sichern Energie für bis zu 34 Tage.

Am Wohnkomfort wird’s den Bewohnern unterwegs nicht fehlen, denn innen gibt sich der Abenteurer so elegant wie die regulären Eura-Modelle: Mit seiner cremefarbenen Sitzgarnitur, den filzverkleideten Wänden und der schicken Küchenzeile erinnert der Xtura eher an ein alpenländisches Luxusressort. Allerdings hat der Eura mehr Platz fürs Gepäck: Alleine seine Heckgarage fasst 2700 Liter.

Forster Youngster: kurz, aber flexibel

Betont unkonventionell gibt sich der Youngster von Forster, der günstigen Eura-Einsteigermarke. Er basiert auf dem Fiat Ducato, passt mit 5,41 Meter Länge gerade noch in den Alltag und punktet mit seinem Basispreis von 43.900 Euro. Edle Oberflächen und delikate Dekore sind da nicht drin, auch die kastenwagentypische Sitzbank im Wohnbereich hat sich Forster gespart, doch dafür punktet der Youngster mit maximaler Variabilität: Der Bereich hinter der Kabine lässt sich wahlweise mit Stauboxen an der Systemwand bestücken oder – gegen 1610 Euro Aufpreis – mit einem mobilen Büro ausstatten. Geschlafen wird auf einem 1,80 Meter langen Hubbett, das sich per Schlüsseldreh bis unters Dach verzieht: Das schafft Platz für Fahrräder oder eine zweite Liegefläche mit Freisitz im Heck. Und das Bad lässt sich entweder zum Duschen nutzen oder auch als zusätzlicher Schrank, denn dafür gibt es eine stabile Kleiderstange unterm Dach.

Weinsberg Caralife: große Freiheit für drei

Auch bei Weinsberg ist der klassische Kastenwagen-Grundriss nicht mehr in Zement gegossen: Der Caralife verzichtet ganz auf die Nasszelle, stattdessen gibt es eine gedeckelte Duschwanne in der Mitte des Wohnraums und einen Duschvorhang, der sich an der Decke festclipsen lässt. Das WC reist in der Sitztruhe neben dem Eingang mit, was diskrete Geschäfte etwas erschwert, doch das Raumgefühl im Caralife fällt so großzügig aus wie in keinem anderen Ducato-Kastenwagen. Auf der CMT zeigt sich der Einzelgänger zum ersten Mal mit Aufstelldach für einen dritten Fahrgast. Es würde mit seinen zwei Metern Länge und 1,35 Metern Breite sogar für zwei Erwachsene reichen, doch so viele Passagiere dürfen gar nicht mit: Der Caralife verzichtet wie der neue Forster auf die klassische Kastenwagen-Sitzbank und bietet stattdessen nur drei Gurtplätze in der Kabine.

Eriba Car 600: Luxus-Van mit extralangem Bett

Ganz klassisch fällt der Grundriss im neuen Eriba Car 600 aus: vorne eine Sitzgruppe für vier, Nasszelle in der Fahrzeugmitte, Küchenblock im Eingangsbereich und Querbett im Heck. Beim Einrichtungsstil hebt sich der neue Kastenwagen allerdings deutlich von den Wettbewerbern ab, denn hier setzt die Hymer-Marke auf kräftige Farben, dunkles Holz, Filzverkleidungen an den Wänden und ein luftiges Raumkonzept mit offenen Blickachsen, das allerdings auf Kosten des Stauraums geht. Am Verwöhnaroma fehlt es dem sechs Meter langen Campervan auf VW-Crafter-Basis hingegen nicht, das zeigen die optionalen Lederpolster, die serienmäßig verstellbaren Lehnen der Sitzbank und vor allem das Querbett mit Tellerfedern und zwei Metern Liegefläche. Wer bei Eriba an die legendären Touring-Wohnwagen denkt und auch beim Kastenwagen nach dem typischen Hubdach sucht, wird allerdings enttäuscht: Die serienmäßige Zweifarben-Lackierung ist neben der gewissenhaften Verarbeitung alles, was der Campervan (Basispreis: 74.900 Euro) mit dem Caravan gemeinsam hat.

Hobby Maxia Van: Crafter mit Doppelsofa

Auch der neue Kastenwagen von Hobby ist ein Reisedomizil für zwei, obwohl er auf dem langen VW Crafter basiert und stolze 6,84 Meter misst. Statt der Sitzbank ist hinter der Kabine ein geräumiger Kleiderschrank montiert, was schon deshalb nicht stört, weil sich das Leben im Heck des Maxia Van abspielt: Dort stehen zwei Sofas, die sich nachts in Einzelbetten von zwei Metern Länge und 86 Zentimeter Breite verwandeln lassen. So viel Platz zum Fläzen bietet in dieser Klasse keiner, zudem bleibt der variable Maxia mit Doppelsofa deutlicher unter der 3,5-Tonnen-Grenze als die bekannte Version mit klassischem Doppelbett im Heck. Beim Preis von 89.750 Euro unterscheiden sie sich nicht.

Hobby Ontour Edition F: Vollausstatter zum Vorzugspreis

Ganz konventionell kommt die zweite Neuerscheinung der norddeutschen Marke daher, aber das schadet ja nicht: Der Ontour Edition F auf Fiat-Ducato-Chassis ist ein klassischer Teilintegrierter mit hinteren Einzelbetten, wie sie speziell deutsche Wohnmobilisten bevorzugen. Vor allem aber sollen sie zum Einstiegskurs von 78.257 Euro keine teuren Extrakreuzchen setzen müssen, weil das Editionsmodell die Vollausstattung serienmäßig dabeihat. Dazu gehören unter anderem Aluräder, Klimaautomatik, Navigation, Rückfahrkamera und TV-Anlage, woraus sich laut Hobby ein Preisvorteil von 11.000 Euro ergibt. Und trotz der Rundum-Glücklich-Ausstattung soll der Ontour unter drei Tonnen Leergewicht bleiben: Die erlaubte Zuladung fällt mit 561 Kilogramm großzügig aus.

Ahorn Van 622: von allem ein bisschen mehr

Die Liebhaber breiter Betten kommen beim neuen Ahorn Van 622 auf ihre Kosten: Dessen Querbett bringt es zwar nur auf eine Länge von 1,91 Metern, dafür aber auf ungewöhnlich großzügige 1,50 Meter Breite. Die Marke aus dem pfälzischen Speyer kombiniert das große Doppelbett mit einem hohen 138-Liter-Kühlschrank und einem Bad, das im Vergleich zu den anderen Campervans der Marke rund 30 Zentimeter mehr Breite bietet. Wie alle Ahorn-Kastenwagen basiert der Van 622 auf dem komfortbetonten Renault Master, die Preisliste beginnt bei 53.800 Euro. Auf der CMT bietet Ahorn ein voll ausgestattetes Sondermodell für 62.500 Euro an.

Fendt Apero Connect: der Work-Life-Wohnwagen

Nicht weniger als eine „Revolution des mobilen Lebens und Arbeitens“ hat die bayrische Traditionsmarke Fendt mit ihrem Apero Connect im Sinn: Dahinter steckt ein modern eingerichteter Wohnwagen, an dessen L-förmige Hecksitzgruppe sich ein vollwertiger Arbeitsplatz mit Klappschreibtisch, Bürohocker und 5G-Router anschließt. In eingeklapptem Zustand beansprucht der Tisch nur 0,21 Quadratmeter Fläche, ausgeklappt erfüllt er mit bis zu drei unterschiedlichen Beleuchtungsarten, USB-Anschlüssen und Steckdosen die aktuellen Bürostandards. Der besondere Clou des cleveren Möbels, das die spanische Firma Beaktor zuliefert, ist die magnetische Rückwand, an der sich Tablets und Bildschirme auf Augenhöhe befestigen lassen. Den German Innovation Design Award 2024 hat Fendt mit dem Work-Life-Wohnwagen jedenfalls schon abgeräumt, bevor er auf der CMT offiziell enthüllt wurde.

Christian S. 17.01.2024

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