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10 Fragen an ... Axel Sülwald

Axel Sülwald ist eine prägende Stimme der deutschen Caravaning-Szene: Als Redaktionsleiter von AUTO BILD REISEMOBIL begleitet er seit Jahren die Entwicklung der Branche – von neuen Fahrzeugtrends bis hin zu den großen Themen auf dem Caravan Salon in Düsseldorf. Mit seiner journalistischen Expertise testet und bewertet er regelmäßig Reisemobile und Camper und liefert damit Orientierung für eine stetig wachsende Community von Camping-Enthusiasten.

Interview mit Axel Sülwald


Herr Sülwald, Sie beobachten den Reisemobilmarkt seit vielen Jahren – was hat sich in den letzten fünf Jahren am stärksten verändert?

Einmal Boom und wieder zurück – das war schon nicht mehr normal, wie um die Corona-Pandemie ein wahrer Kaufrausch nach Reisemobilen losbrach. Die Zulassungszahlen sind förmlich explodiert, ebenso die Preise. Alle haben produziert auf Teufel komm raus und zu wenig auf Qualität und Nachhaltigkeit geachtet. Jetzt hat sich die Nachfrage normalisiert. Wer nicht rechtzeitig auf die Bremse getreten ist, hat bis heute ein Problem mit Überkapazitäten. Und das drückt aktuell eher die Preise.

Die Kraftstoffpreise sind aktuell ein heiß diskutiertes Thema – gerade bei überwiegend dieselbetriebenen Reisemobilen. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein und sehen Sie realistische Alternativen?

So unpopulär das klingt: Weniger zu fahren ist derzeit die beste Möglichkeit zu sparen. Aber im Prinzip ist das seit Jahren Trend: Statt auf die eine lange Reise zu gehen, unternehmen Camper lieber häufige Kurztrips. Was das Thema Elektromobilität angeht: Das sehe ich absehbar erst im Camper-Segment. Da gibt es aber immerhin erste gute Basismodelle von deutschen, französischen und asiatischen Anbietern.

Welche Trends im Campingbereich werden aktuell noch unterschätzt, obwohl sie künftig stark an Bedeutung gewinnen könnten?

Digitalisierung und auch das Thema Elektromobilität. Es gibt immer noch zu wenige Camping- und Stellplätze, die sich bequem vom Smartphone aus buchen und bezahlen lassen. Und zu viele, die man anfahren muss, um zu sehen, dass sie schon voll sind. Und dann das Geklimper mit dem Münzgeld – das ist sowas von gestern, das kann man neuen Camper-Generationen nicht zumuten. Und wer schon mal auf dem Campingplatz die Sicherung mit dem Einschalten des Wasserkochers gekillt hat, fragt sich, was wohl passiert, wenn plötzlich eine Handvoll Elektroautos gleichzeitig am Strom saugen. Da gibt es noch sehr viel zu tun.

Immer mehr Hersteller – auch aus China – drängen auf den deutschen Markt. Wie bewerten Sie deren Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis?

Die europäische und speziell die deutsche Caravaning-Branche hat den Markt bei uns voll im Griff. Das wird sich auch nicht so schnell ändern, denn die bislang gezeigten China-Mobile sind nicht konkurrenzfähig. Die Chinesen haben das ganze Camping-Thema noch nicht so richtig für sich entdeckt. Trotzdem muss man wachsam sein. Im Pkw-Sektor haben wir gesehen: Wenn die Chinesen es ernst meinen, geht es ganz schnell.

Was macht für Sie persönlich ein wirklich gutes Reisemobil aus – unabhängig von Marke und Preis?

Ich bin da nicht wählerisch und so wahnsinnig viel Komfort brauche ich auch nicht. Was ich aber schätze: eine gut isolierte Kabine, ordentliche Sitze, bequeme Schlafgelegenheiten, eine große Garage, sinnvolle Ablagen im Innenraum und ein halbwegs anständiges Infotainment am Fahrerplatz. Dann kann es schon losgehen.

Wenn jemand neu ins Camping einsteigen möchte: Würden Sie eher zu einem gebrauchten oder neuen Fahrzeug raten – und in welcher Preisklasse sollte man realistisch denken?

Erstmal gar nicht kaufen, lieber mieten! Wer einen vernünftigen Händler vor Ort hat, sollte dort zuerst ansetzen. Ansonsten helfen größere Flotten von ADAC, McRent, Roadsurfer oder ähnlichen Anbietern. Ohnehin lohnt sich der Kauf eines Fahrzeugs nur für Menschen, die oft und regelmäßig reisen. Wenn man sich für ein eigenes Reisemobil entscheidet, ist momentan der Neukauf die bessere Wahl. Einige Händler haben noch Restbestände, die sind günstig zu haben. Eine Alternative sind Sondermodelle, die umfangreiche Ausstattung und Preisvorteile bieten. Je nach Segment muss man schon zwischen 50.000 und 80.000 Euro für ein Durchschnittsmobil anlegen. Der Gebrauchtmarkt ist ziemlich leer gefegt, die Preise auf hohem Niveau. Wir hatten schon Gebrauchte, die waren gebraucht teurer als zehn Jahre zuvor neu. Das ist absurd.

Worauf sollten Käufer bei gebrauchten Reisemobilen besonders achten, um teure Fehler zu vermeiden?

Grundvoraussetzung ist ein lückenloses geführtes Serviceheft. Das Fahrzeug sollte sauber und gepflegt sein und keine Anfahrschäden aufweisen. Denn das kann teure Reparaturen nach sich ziehen. Ganz wichtig ist das Thema Feuchtigkeit. Wenn es im Fahrzeug muffig riecht – Finger weg! Gerade die Kabinen älterer Modelle haben noch ein Holzgerippe in den Wänden. Wenn das Wasser zieht, muss unter Umständen die ganze Wand getauscht werden. Das gilt übrigens auch für die Bodenplatte, die oft nicht richtig gegen Feuchtigkeit geschützt ist.

Welche Ausstattung oder Innovation wird Ihrer Meinung nach in Zukunft Standard im Reisemobil sein?

Das ist schwer zu sagen. Mobiles Internet wird immer wichtiger, ebenso wie vernetzte Systeme, die mir ganz genau sagen wie viel Wasser, Abwasser oder Strom ich noch an Bord habe. Einen Durchbruch könnte das Thema „Autonomes Fahren“ bringen: Stellen Sie sich vor, mein Fahrzeug findet den Weg ans Ziel alleine – und parkt auch ohne mein Zutun ein. Das wäre der Knaller!

Gibt es ein Reiseziel oder eine Region, die Sie Campern aktuell besonders empfehlen würden – und warum?

Das hängt stark von individuellen Interessen ab. Skandinavien ist immer eine Reise wert, wenn man gerne für sich ist, Kroatien, wenn man auf topmoderne, sehr gut ausgestattete Campingplätze steht. Ich persönlich fahre gerne nach Italien, weil ich Land und Leute liebe und natürlich das gute Essen. Wer es ursprünglich mag und gerne auf Entdeckungstour geht, findet auf dem Balkan noch viele unberührte Spots.

Zum Abschluss: Ihr persönlicher Geheimtipp – was sollten Camper unbedingt einmal erlebt haben?

Mit den Geheimtipps ist das so eine Sache: Wofür sich der eine begeistert, findet der nächste stinklangweilig. Mein persönliches Highlight war ein Reisemobiltrip durch die Rockie Mountains in Kanada. Das war irre schön. Andererseits kann man den besten Campingurlaub auch in der direkten Nachbarschaft verbringen. Lüneburg, wo ich lebe, hat man als lohnenswertes Ziel vielleicht noch auf dem Zettel – aber wer weiß schon, wie schön meine ostwestfälische Heimat ist? Gerade diese Regionen etwas abseits können ein Erlebnis sein.